Transkriptionsregeln: Dresing & Pehl, Kuckartz und GAT 2 im Vergleich (mit Beispielen)

Transkriptionsregeln legen fest, wie Sie gesprochene Sprache verschriftlichen: was Sie glätten, was Sie notieren und mit welchen Zeichen. Für die meisten Bachelor- und Masterarbeiten mit Inhaltsanalyse genügen einfache Regeln wie die von Dresing und Pehl oder von Kuckartz. Wer Gespräche selbst analysiert, also wie etwas gesagt wird, braucht ein detailliertes System wie TiQ oder GAT 2. Hier sehen Sie alle vier Systeme im Vergleich, jeweils am selben fiktiven Interviewausschnitt.

Person mit Kopfhörern markiert ausgedruckte Transkriptseiten mit einem Textmarker, daneben ein zugeklappter Laptop, ein Stift und eine Tasse
Symbolbild (KI-generiert)

Inhalt

  1. Was sind Transkriptionsregeln?
  2. Einfach oder detailliert: zwei Familien
  3. Inhaltlich-semantische Regeln nach Dresing und Pehl
  4. Transkriptionsregeln nach Kuckartz
  5. TiQ: das erweiterte System
  6. GAT 2: Minimal-, Basis- und Feintranskript
  7. Vergleichstabelle
  8. Ein Ausschnitt, vier Systeme
  9. Welches System passt zu Ihrer Arbeit?
  10. Transkriptionsregeln im Methodenteil dokumentieren
  11. Zeitmarken, Transkriptkopf und Anonymisierung
  12. KI-Transkript als Rohfassung
  13. Häufige Fragen
  14. Quellen

Kurz gesagt. Für eine qualitative Inhaltsanalyse reichen einfache Transkriptionsregeln: die inhaltlich-semantischen Regeln nach Dresing und Pehl oder die Regeln nach Kuckartz und Rädiker. Beide übertragen Dialekt und Verschleifungen in Schriftdeutsch und notieren nur das Nötigste (Pausen, Lachen, Betonung, unverständliche Stellen).

Für rekonstruktive Verfahren wie die dokumentarische Methode ist TiQ verbreitet, für Gesprächsanalyse und Linguistik GAT 2. Entscheidend ist, dass Sie ein System wählen, es einheitlich anwenden und im Methodenteil mit Quelle angeben.

Was sind Transkriptionsregeln und wozu brauchen Sie sie?

Transkriptionsregeln (auch Transkriptionssystem genannt) sind eine feste Sammlung von Vorgaben und Zeichen, nach denen eine Audio- oder Videoaufnahme in Text übertragen wird. Sie beantworten Fragen, die beim Abtippen sofort auftauchen: Schreibe ich „ähm“ mit? Wie markiere ich eine Pause? Was mache ich mit Dialekt, mit Lachen, mit zwei Personen, die gleichzeitig sprechen?

Kuckartz und Rädiker betonen, dass mit jeder Verschriftlichung Informationsverluste verbunden sind und dass vom Ziel der Analyse abhängt, welche Verluste akzeptabel sind (Kuckartz & Rädiker, Transkriptionsregeln, PDF). Feste Regeln sorgen dafür, dass diese Entscheidungen einmal bewusst getroffen und dann einheitlich umgesetzt werden. Das bringt Ihrer Arbeit:

Einfach oder detailliert: die zwei Familien von Transkriptionssystemen

Die gängigen Systeme bilden zwei Gruppen. Das Methodenportal der Universität Leipzig unterscheidet entsprechend ein einfaches Transkriptionssystem, ein erweitertes System (TiQ) und GAT.

Das zeigt sich im Aufwand: Dresing und Pehl rechnen für einfache Regelsysteme mit dem 5- bis 10-Fachen der Interviewdauer inklusive Korrekturlesen. Für ein GAT-2-Basistranskript nennen sie bei entsprechender Übung 18 Stunden pro Stunde Material, für komplexe Regeln fänden sich in der Literatur sogar Angaben von 30 bis 60 Stunden (Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse, 9. Auflage).

Inhaltlich-semantische Transkriptionsregeln nach Dresing und Pehl

Die Regeln von Thorsten Dresing und Thorsten Pehl (Marburg) finden nach Angaben der Autoren seit vielen Jahren verbreitet Anwendung. Die aktuelle Fassung heißt „Regelsystem für die inhaltlich-semantische Transkription (2023)“. Laut Website der Autoren wurde sie im November 2022 überarbeitet und in der 9. Auflage des Praxisbuchs veröffentlicht, deren PDF als Zitation „9. Auflage. Marburg, 2024“ angibt.

Die Fassung besteht aus fünf Grundregeln, hier sinngemäß zusammengefasst:

  1. Jedes Wort aufschreiben. Sätze werden so festgehalten, wie sie gesprochen wurden, auch wenn sie holprig oder grammatisch falsch sind. Wortverschleifungen und Dialekt werden an das Schriftdeutsch angenähert, außer wenn keine eindeutige Übertragung möglich ist. Unverständliches wird als (unv.) markiert, ein vermuteter Wortlaut mit Fragezeichen in Klammern, etwa (Glück?).
  2. Kurze Antworten aufschreiben, Verstehensäußerungen ignorieren. „hmm“, „ja“ oder „genau“ entfallen, wenn sie den Redefluss nicht unterbrechen. Sind sie die Antwort auf eine Frage, werden sie notiert.
  3. Deutliche Pausen festhalten. Pausen ab drei Sekunden werden mit (…) markiert.
  4. Emotionen und Betonungen notieren. Lachen, Seufzen oder Weinen stehen in Klammern, besonders betonte Wörter in VERSALIEN.
  5. Transkripte einheitlich gestalten. Jeder Redebeitrag bekommt einen eigenen Absatz mit einem Kürzel und Doppelpunkt (zum Beispiel I:, B1:). Auch kurze Antworten stehen in einem eigenen Absatz.

Erweiterungsmodule und Schreibweise

Zusätzlich bieten Dresing und Pehl Module an, die Sie je nach Forschungsfrage einzeln oder komplett übernehmen können:

Ergänzende Hinweise zur Schreibweise helfen vor allem bei Teamarbeit, etwa Zögerungslaute immer als „ähm“ und Einheiten ausgeschrieben („Euro“).

Achtung bei älteren Auflagen. Manche Methodenportale beziehen sich auf frühere Fassungen, das Leipziger etwa auf die 6. Auflage von 2016. Die 8. Auflage (Marburg, 2018) enthielt noch 15 nummerierte Regeln, unter anderem Zeitmarken mindestens am Absatzende und das Speichern als RTF-Datei. Geben Sie in Ihrer Arbeit genau die Fassung an, die Sie tatsächlich verwendet haben.

Transkriptionsregeln nach Kuckartz (und Rädiker)

Die Regeln gehen auf ein Evaluationsprojekt zurück, für das Kuckartz und Kollegen einfache und schnell erlernbare Transkriptionsregeln für die computerunterstützte Auswertung definierten. Die aktuelle Fassung stammt aus dem Lehrbuch von Kuckartz und Rädiker (2024) zur qualitativen Inhaltsanalyse, ein Auszug ist als PDF auf qualitativeinhaltsanalyse.de frei verfügbar. Die zwölf Regeln sind in vier Bereiche gegliedert:

Hinzu kommt eine zwölfte Regel zu Zeitmarken: Sie werden am Ende jedes Sprechbeitrags eingefügt, bei Bedarf auch an unverständlichen Stellen in längeren Absätzen.

Der wichtigste Unterschied zu Dresing und Pehl liegt in der Betonung: Bei Dresing und Pehl stehen betonte Wörter in VERSALIEN, bei Kuckartz und Rädiker werden sie unterstrichen, und Großbuchstaben bedeuten lautes Sprechen. Mischen Sie die beiden Systeme deshalb nicht unbemerkt.

TiQ: das erweiterte System für rekonstruktive Verfahren

TiQ steht für „Talk in Qualitative Social Research“. Laut dem Methodenzentrum der Ruhr-Universität Bochum wurde das System von Ralf Bohnsack für die Arbeit mit Gruppendiskussionen entwickelt und von Aglaja Przyborski überarbeitet. Es eignet sich besonders für rekonstruktive Methoden wie die dokumentarische Methode.

TiQ glättet nicht. Nach den Übersichten in Bochum und Leipzig gilt unter anderem:

GAT 2: Minimal-, Basis- und Feintranskript

Das Gesprächsanalytische Transkriptionssystem 2 (GAT 2) wurde 2009 von Margret Selting und einer Gruppe von Gesprächsforscherinnen und Gesprächsforschern veröffentlicht (Selting et al. 2009, Gesprächsforschung 10, S. 353-402). Es überarbeitet die erste Version von 1998 und arbeitet nach dem Zwiebelprinzip in drei Ausbaustufen:

Typische Konventionen: generelle Kleinschreibung, weil Großbuchstaben Akzente markieren (akZENT), und nummerierte Segmente. Pausen werden geschätzt, von (.) (Mikropause bis etwa 0,2 Sekunden) bis (---), oder gemessen, etwa (2.0). Überlappungen stehen in eckigen Klammern, die untereinander ausgerichtet werden. Nonverbales steht in doppelten runden Klammern (((lacht))), Unverständliches in leeren Klammern ( ). Im Basistranskript markieren Satzzeichen die Tonhöhenbewegung am Phrasenende: ? hoch steigend, , mittel steigend, ; mittel fallend, . tief fallend, für gleichbleibende Tonhöhe ein Halbgeviertstrich. Zeitangaben sind optional und stehen in geschweiften Klammern links vor dem Text, etwa {1:01:04}.

Aufgeschlagenes Notizbuch mit abstrakten, farbigen Klammern, Pfeilen und Wellenlinien, daneben vier Filzstifte
Je detaillierter das System, desto mehr Zeichen: Legen Sie Ihre Notation fest, bevor Sie das erste Interview transkribieren. Symbolbild (KI-generiert).

Transkriptionsregeln im Vergleich: die Tabelle

Die Tabelle fasst die Regeln aus den oben verlinkten Primärquellen und Methodenportalen zusammen. Manche Institute geben eigene Varianten vor (ein Beispiel aus Graz finden Sie unten), maßgeblich ist immer die Fassung, die Sie in Ihrer Arbeit zitieren.

Merkmal Dresing & Pehl (2023) Kuckartz & Rädiker (2024) TiQ GAT 2 (Basis)
Typischer Einsatz Inhaltsanalyse, Qualifikationsarbeiten Qualitative Inhaltsanalyse, QDA-Software Rekonstruktive Verfahren, Gruppendiskussionen Gesprächsanalyse, Linguistik
Dialekt, Verschleifungen An Schriftdeutsch angenähert Leicht geglättet, Dialekt ins Hochdeutsche Wie gesprochen Literarische Umschrift, Abweichungen notiert
Groß- und Kleinschreibung Normal Normal Nur Namen und Substantive groß Generell klein
Pausen (…) ab 3 Sek.; Modul: (.) (..) (…) (5) (.) bis (…) je Sekunde, länger: (5) (.) bis 1 Sek., sonst (2) (.) (-) (--) (---) oder gemessen (0.5)
Betonung, Lautstärke Betont: VERSALIEN Betont: unterstrichen; laut: GROSS Betont: unterstrichen; laut: fett; leise: °…° Fokusakzent: akZENT
Lachen, Nonverbales (lacht) (lacht), (Handy klingelt) @(.)@, ((stöhnt)) ((lacht)), haha
Überlappung Nur im Modul: //…// Kurze Einwürfe in Klammern im Beitrag └ … ┘ [ ] untereinander
Unverständlich, vermutet (unv.), (Glück?) (unv.), (Kobold?) ( ), (doch) ( ), (xxx), (solche)
Zeitmarken Nicht Teil der fünf Regeln, im Praxisbuch als wichtig beschrieben Am Ende jedes Sprechbeitrags In den genutzten Übersichten nicht geregelt Optional, z. B. {1:01:04}

Ein Interviewausschnitt, vier Transkriptionssysteme

Beispiel (fiktiv): Das folgende Gespräch ist erfunden und dient nur der Veranschaulichung. Gesprochen wurde Folgendes: Die Interviewerin fragt, wie sich der Nebenjob aufs Studium ausgewirkt hat. B1 antwortet „Also, das war schon so'n Spagat. Ich habe dann, ähm,“, schweigt etwa vier Sekunden, sagt „meistens nachts gelernt“ und lacht kurz. Dann, mit stark betontem „nicht“: „Und meine Noten sind ehrlich gesagt nicht besser geworden.“ Beim letzten Wort setzt die Interviewerin schon mit „Und wie ging das weiter?“ ein.

1. Dresing & Pehl, inhaltlich-semantisch (Grundregeln)
I: Wie hat sich der Nebenjob aufs Studium ausgewirkt?

B1: Also, das war schon so ein Spagat. Ich habe dann (…) meistens nachts gelernt (lacht). Und meine Noten sind ehrlich gesagt NICHT besser geworden.

I: Und wie ging das weiter?

„so'n“ wird an das Schriftdeutsch angenähert. Das Transkribieren von Fülllauten ist erst als Erweiterungsmodul vorgesehen, das „ähm“ entfällt hier deshalb. Die Überlappung wird in den Grundregeln nicht markiert.

2. Dresing & Pehl mit Erweiterungsmodulen
I: Wie hat sich der Nebenjob aufs Studium ausgewirkt?

B1: Also, das war schon so ein Spagat. Ich habe dann ähm (4) meistens nachts gelernt (lacht). Und meine Noten sind ehrlich gesagt NICHT besser //geworden.//

I: //Und wie// ging das weiter?

Fülllaut, gemessene Pause und Überlappung sind jetzt sichtbar.

3. Kuckartz & Rädiker
I: Wie hat sich der Nebenjob aufs Studium ausgewirkt? [0:12:31-0]

B1: Also, das war schon so ein Spagat. Ich habe dann (4) meistens nachts gelernt (lacht). Und meine Noten sind ehrlich gesagt nicht besser geworden. [0:12:44-5]

I: Und wie ging das weiter? [0:12:46-2]

Fette Kürzel, Leerzeilen, Zeitmarke am Ende jedes Beitrags, Betonung unterstrichen statt in Großbuchstaben. Fülllaute wie „ähm“ regeln Kuckartz und Rädiker nicht ausdrücklich, wir haben sie im Sinne der leichten Glättung weggelassen. Die Zeitmarken sind ebenfalls fiktiv.

4a. TiQ
I:  wie hat sich der Nebenjob aufs Studium ausgewirkt?
B1: also das war schon so=n Spagat; ich habe dann ähm (4) meistens nachts gelernt @(.)@ und meine Noten sind ehrlich gesagt nicht besser └geworden.┘
I:  └und wie┘ ging das weiter?

Kleinschreibung am Satzanfang (Substantive bleiben groß), Satzzeichen zeigen die Intonation, die Verschleifung bleibt mit „=“ erhalten, das Lachen steht als @(.)@. Die Sprecherkürzel haben wir zur Vergleichbarkeit beibehalten.

4b. GAT 2, Basistranskript
01   I:   wie hat sich der NEBENjob aufs studium ausgewirkt?
02   B1:  also das war schon son SPAgat;
03        ich habe dann ähm (4.0) meistens NACHTS gelernt.
04        ((lacht))
05        und meine noten sind ehrlich gesagt NICHT besser ge[worden.]
06   I:                                                      [und wie] ging das weiter?

Nummerierte Segmente, generelle Kleinschreibung, Fokusakzente in Großbuchstaben, Tonhöhenbewegung am Phrasenende, Überlappung in eckigen Klammern. Die Akzentsetzung ist für das fiktive Beispiel angenommen.

Die einfachen Systeme liefern gut lesbaren Text für die Inhaltsanalyse. TiQ und GAT 2 zeigen dagegen, wie zögerlich die Antwort ist und dass die Interviewerin ins Wort fällt: genau der Gegenstand einer Gesprächsanalyse.

Welches Transkriptionssystem passt zu Ihrer Arbeit?

Das Methodenzentrum der Ruhr-Universität Bochum formuliert den Grundsatz klar: Das Transkriptionssystem wird an Fragestellung und Auswertungsmethode angepasst. Als Orientierung:

Im Zweifel rät Bochum zum aufwendigeren System, weil späteres Nachtranskribieren mehr Arbeit macht. Leipzig empfiehlt, die Transkription mit der Betreuungsperson abzusprechen. Gibt Ihr Institut eigene Regeln vor, wie etwa die Transkriptionsregeln des Grazer Instituts für Kulturanthropologie, gelten diese vorrangig.

Wie Sie das Interview selbst aufnehmen und in einen ersten Text bringen, beschreiben wir ausführlich unter Interviews transkribieren.

Transkriptionsregeln im Methodenteil dokumentieren: fünf Schritte

Eine gute Dokumentation ist kurz, aber vollständig. So gehen Sie vor:

1

System wählen und begründen

Nennen Sie das Regelsystem und begründen Sie die Wahl mit Ihrer Auswertungsmethode, zum Beispiel: inhaltlich-semantische Regeln, weil die qualitative Inhaltsanalyse auf den semantischen Inhalt zielt.

2

Exakte Quelle angeben

Zitieren Sie die Fassung, die Sie verwendet haben, mit Autorinnen und Autoren, Jahr und Auflage, etwa Dresing und Pehl, Praxisbuch, 9. Auflage, oder Kuckartz und Rädiker (2024).

3

Anpassungen offenlegen

Schreiben Sie dazu, welche Module Sie ergänzt oder welche Regeln Sie verändert haben, etwa gestufte Pausen oder die Markierung von Überlappungen.

4

Vorgehen beim Transkribieren beschreiben

Erklären Sie, wer transkribiert hat, ob ein automatisches Rohtranskript genutzt wurde und dass jedes Transkript vollständig mit der Aufnahme abgeglichen und nach den Regeln korrigiert wurde.

5

Zeichenlegende und Anonymisierung anhängen

Legen Sie die Zeichenlegende in den Anhang, beschreiben Sie, wie Namen und Orte anonymisiert wurden, und nennen Sie, wie Sie aus Transkripten zitieren, etwa mit Interviewkürzel und Absatznummer.

Formulierungsbeispiel (fiktiv): „Die zwölf Interviews wurden nach dem Regelsystem für die inhaltlich-semantische Transkription von Dresing und Pehl (9. Auflage) transkribiert, ergänzt um das Modul zur Markierung von Sprecherüberlappungen. Als Ausgangspunkt diente ein automatisch erstelltes Rohtranskript, das vollständig mit der Aufnahme abgeglichen, nach diesen Regeln korrigiert und anschließend anonymisiert wurde.“

Zeitmarken, Transkriptkopf und Anonymisierung

Zeitmarken

Zeitmarken dienen laut Dresing und Pehl nicht der Zitation, sondern dem schnellen Rücksprung zur Aufnahme: Wer in einem Transkriptions- oder QDA-Programm auf die Marke klickt, hört die Originalstelle. Zitiert wird stattdessen meist mit Absatznummern, seltener mit Zeilennummern. Kuckartz und Rädiker setzen die Zeitmarke ans Ende jedes Sprechbeitrags, das Leipziger Methodenportal empfiehlt Zeitmarken mindestens pro Gesprächsblock im Format Stunde, Minute, Sekunde, etwa #01:15:10#.

Transkriptkopf

Das Methodenzentrum Bochum empfiehlt einen einheitlichen Kopf mit Angaben wie Datum, Dauer, interviewender und transkribierender Person. Leipzig nennt zusätzlich nummerierte Zeilen.

Anonymisierung

Interviews enthalten personenbezogene Daten. Die Grazer Regeln sehen vor, dass Klarnamen nur intern von den Forschenden verwendet und nach außen anonymisiert werden. Das Leipziger Portal empfiehlt neutrale Sprecherkürzel wie „A“ und „B“ statt Vornamen. Ersetzen Sie außerdem Orte, Arbeitgeber und andere identifizierende Details, zum Beispiel durch Platzhalter in eckigen Klammern, und bewahren Sie eine etwaige Zuordnungsliste getrennt von den Transkripten auf. Klären Sie Einwilligung und Speicherort vorab mit Ihrer Hochschule.

KI-Transkript als Rohfassung: was es leistet und was nicht

Dresing und Pehl schreiben, dass automatische Transkription seit etwa 2022 auch für qualitative Interviews brauchbar geworden ist. Sie nimmt Ihnen das Abtippen ab, aber nicht die Anwendung Ihrer Transkriptionsregeln. Nach Kuckartz und Rädiker macht ihres Wissens kein Tool Betonungen und Lautstärke kenntlich, Lautäußerungen und Nonverbales werden nicht transkribiert, Pausen erfassen nur einige Tools. Automatische Transkripte müssen deshalb stets manuell kontrolliert und verbessert werden.

So passt AudiosTranscribe in diesen Ablauf. Sie laden die Aufnahme hoch und erhalten ein Transkript mit Zeitstempeln. Die Stimmen werden automatisch getrennt, die Kürzel wie I und B1 weisen Sie mit einem Klick zu. Danach bringen Sie den Text beim Mithören auf Ihre Transkriptionsregeln. Der Dienst ist in Europa gehostet und DSGVO-konform, die Audiodatei wird nach der Verarbeitung gelöscht. 120 Minuten pro Monat sind kostenlos, der Export als DOCX, TXT oder PDF ist in den kostenpflichtigen Tarifen enthalten. Eine kurze Datei können Sie ohne Anmeldung mit unserem Tool testen: Audio in Text umwandeln.

Den kompletten Ablauf von der Aufnahme bis zum geprüften Transkript finden Sie unter Interviews transkribieren.

Häufige Fragen zu Transkriptionsregeln

Was sind Transkriptionsregeln?
Transkriptionsregeln sind festgelegte Vorgaben und Zeichen, nach denen eine Aufnahme in Text übertragen wird. Sie bestimmen etwa, ob Dialekt geglättet wird und wie Pausen, Lachen und Betonungen markiert werden. So werden Transkripte einheitlich und nachvollziehbar.
Welche Transkriptionsregeln eignen sich für eine Bachelor- oder Masterarbeit?
Für Arbeiten mit qualitativer Inhaltsanalyse oder thematischer Auswertung reichen meist einfache Regeln, etwa die inhaltlich-semantischen Transkriptionsregeln nach Dresing und Pehl oder die Regeln nach Kuckartz und Rädiker. Für Konversationsanalyse oder dokumentarische Methode braucht es GAT 2 oder TiQ. Stimmen Sie die Wahl mit Ihrer Betreuungsperson ab.
Was ist der Unterschied zwischen Dresing und Pehl und Kuckartz?
Beide Systeme sind einfach und glätten die Sprache leicht. Unterschiede gibt es im Detail: Bei Dresing und Pehl stehen betonte Wörter in Versalien, bei Kuckartz und Rädiker werden sie unterstrichen und Großbuchstaben bedeuten lautes Sprechen. Kuckartz und Rädiker sehen Zeitmarken am Ende jedes Sprechbeitrags vor und integrieren kurze Einwürfe in Klammern, Dresing und Pehl setzen auch kurze Antworten in einen eigenen Absatz.
Welche Transkriptionsregeln gelten nach Mayring?
Mayring beschreibt die Übertragung in normales Schriftdeutsch: Dialekt wird bereinigt, Satzbaufehler werden behoben, der Stil wird geglättet. Hinweise der Universität Oldenburg, die sich auf Mayring (2002) stützen, lassen zusätzlich Füllsel wie ‚ähm‘ weg und setzen normale Interpunktion.
Was gehört in ein Transkript?
Ein Transkriptkopf (Datum, Dauer, beteiligte Personen), anonymisierte Sprecherkürzel, der nach Ihren Regeln verschriftlichte Wortlaut, Zeitmarken für den Rücksprung zur Aufnahme und eine Absatz- oder Zeilennummerierung zum Zitieren.
Kann eine KI nach GAT 2 transkribieren?
Nein. Ein automatisches Transkript liefert den Wortlaut und meist Sprecherwechsel, aber keine GAT-2-Notation mit Akzenten, Tonhöhenbewegungen, gemessenen Pausen und ausgerichteten Überlappungen. Es kann als Wortgerüst dienen, die Notation ergänzen Sie von Hand.
Wie zitiere ich aus einem Transkript?
Üblich ist die Angabe von Interviewkürzel und Absatznummer, seltener von Zeilennummern. Dresing und Pehl weisen darauf hin, dass Zeitmarken nicht der Zitation dienen, sondern dem Rücksprung zur Aufnahme.
Mit einer Rohfassung starten statt mit einem leeren Blatt
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Quellen und weiterführende Ressourcen